Corona-Homeschooling-Serie (#7): Jedes Kind ist motiviert

Wie kann ich mein Kind motivieren?

Diese Frage beschäftigt uns Eltern und Lehrpersonen immer mal wieder. Ob in der Situation des Fernunterrichts oder bei ganz normalem Schulbetrieb.

Zuerst ist es wichtig, zu erkennen, dass wir Motivation nicht trainieren können. Man könnte also provokativ sagen: Ich kann mein Kind nicht motivieren.

Aber was ich tun kann: Ich kann Voraussetzungen und Anreize schaffen, in denen sich die Motivation entfalten kann.

Das Wort Motivation kommt vom lateinischen Wort Motivum, was soviel heisst, wie Bewegung oder Antrieb. Jeder Mensch hat dieses Motivum in sich – also innere Faktoren, die uns antreiben und bewegen. Aus diesem Grund fehlt es niemandem, auch keinem Kind an Motivation. In jedem Kind ist ein Antrieb angelegt. Wenn ich herausfinde, was der Antrieb in meinem Kind ist, dann habe ich die Möglichkeit, Voraussetzungen zu schaffen, die diesen Antrieb befriedigen. Denn der Antrieb wird sich immer Wege suchen, sich zu befriedigen. Kennen wir den Antrieb nicht, dann ist es oftmals vergebene Liebesmüh, unser Kind motivieren zu wollen. Und wir alle haben genügend Beispiele dafür, dass dies nicht wirklich funktioniert. Es produziert Frust und Enttäuschung und belastet die Beziehung.

Studien zeigen, dass es hauptsächlich 3 Grundantriebe in jedem von uns gibt, die wir zu befriedigen versuchen:

Wir wollen mit anderen verbunden sein

Wir wollen uns als kompetent und fähig erleben

Wir streben danach, selber Entscheidungen treffen zu können

Finden wir also heraus, was unser Kind antreibt, was es sucht, dann sind wir auf der richtigen Spur. Hierzu braucht es eine vertraute Beziehung. Es bedingt, dass wir unser Kind kennen, dass wir unser Kind wahrnehmen und ihm zuhören können. Da und dort müssen wir auch zwischen den Zeilen lesen können. In der Folge sind ein paar Ansätze aufgeführt:

Mein Kind ist ein Wettkampftyp

Dann braucht mein Kind Möglichkeiten, sich zu messen: Ziele, Belohnungen, Vergleiche (am besten mit sich selbst und nicht mit anderen: kann ich heute die Rechnungen schneller und qualitativ besser lösen als gestern?). Auch passend gesteckte Ziele können dann helfen, das Bedürnis nach Resultat uns nach Rückmeldung abzudecken. Entscheidend ist es, dass sich ein Kind als fähig und kompetent erleben darf. Es ist mitunter eine unserer Aufgaben, Lernen so zu gestalten, dass diese Fähigkeit und Kompetenz immer wieder erlebt werden darf. Andauerndes Nörgeln, Kritisieren und Puschen hilft nichts.

Mein Kind ist gerne alleine oder mein Kind ist ein typisches Herdentier

Lebt mein Kind in den sozialen Kontakten auf oder macht es ihm nichts aus für sich alleine zu sein? Sind soziale Kontakte eine wichtige Komponente, ein innerer Antrieb? Wenn ich das weiss, dann kann ich Voraussetzungen schaffen, Lernen mit dem sozialen Bedürfnis zu verbinden (z.B. in der jetzigen Situation über Facetime mit einem Gspänli einen Auftrag erledigen).

Mein Kind liebt es, selber Entscheidungen zu treffen

Es gehört zu unserem Antrieb, selbständig zu sein und eigene Entschiedungen zu treffen. In jedem Alter gibt es diesen Rahmen, in dem Kinder selber Entscheidungen treffen können. Diesen Rahmen kann und muss man als Eltern abstecken. Dabei gibt es keine allgemeingültigen Regeln, sondern es hängt davon ab, wie reif ein Kind schon ist. Da und dort macht es Sinn, dem Kind zu überlassen, zu welchem Zeitpunkt es eine Aufgabe erledigen will. Oftmals pressen wir die Kinder in unseren eigenen Zeitrahmen. Können wir da unserem Kind Spielraum lassen? Es gibt viele Situationen im Alltag und in der Erziehung, wo es möglich ist, eine Auswahl von Möglichkeiten anzubieten. Die Möglichkeit, selber zu wählen, ist ein wichtiges Bedürfnis und stärkt die Persönlichkeit. Zudem verringert es ganz viele Machtkämpfe und Konflikte, ohne dabei wichtige Rahmenbedingungen zu verletzen. Das Kind erlebt, dass es selbst Verantwortung übernehmen kann und in einem gesteckten Rahmen entscheiden darf.

Die produktiven Zeiten und Aktivitäten meines Kindes

Wie wir sind auch unsere Kinder nicht immer produktiv. Gerade in der jetzigen Fernunterrichtsphase kann es hilfreich sein, herauszufinden, wann diese produktiven Zeiten sind. Kenne ich die macht es Sinn, Aufgaben dorthin zu legen. Welche Tätigkeiten bringen mein Kind zum Aufblühen? Kann ich vielleicht eine Aufgabe mit einer Lieblingstätigkeit meines Kindes verbinden?

Die Ängste meines Kindes (auch Ängste verraten uns, wo die inneren Motive liegen)

Sehr oft verraten auch Änsgte, wo eigentlich der Antrieb liegt. Hat ein Kind Angst, den Anschluss zu Freunden zu verlieren? Diese Angst wird zum Antrieb und alles andere wird dem untergeordnet. Hat ein Kind Angst, nicht zu genügen, keine Anerkennung zu erhalten? Dann wird es alles daran, setzen, dieses Bedürfnis zu stillen. Also kann ich, wenn ich das erkenne, die Ängste ansprechen, sie aus dem Weg räumen und allenfalls Voraussetzung schaffen, dass diese Bedürfnisse befriedigt werden. Auch da lässt sich die Befriedigung der Bedürfnisse vielleicht mit einem Lernauftrag verbinden.

Lernen wir unser Kind kennen, haben wir plötzlich Zugang zum inneren Antrieb. Und dann finden wir Wege und Möglichkeiten, dass wir diesen Bedürfnissen Raum geben können, und wie wir diese Bedürfnisse ins Lernen integrieren können.

 

Im nächsten Beitrag: Träume wecken Motivation

 

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