Tim (12) gewinnt den Schreibwettbewerb von Exploratio 2019/20

Toller Erfolg – Wir gratulieren herzlich

Tim (12), in der 6. Klasse der ITSmove, gewinnt während der Corona-Fernunterrichtszeit den kreativen Schreibwettbewerb bei Exploratio (Begabungs- und Begabtenförderung der Stadt Winterthur). Über 120 Texte aus allen Alterstufen sind bei der Jury eingegangen. Die Fachjury bestehend aus aus Katja Alves (Kinderbuchautorin, Zürich), Yusuf Yesilöz (Autor, Winterthur), Viola Rohner (Autorin, Zürich) und Marion Eberhard (Journalistin und Geschäftsführerin Kinderthur, Winterthur) haben die tolle  Geschichte von Tim zum Siegertext aus allen Mitbewerbern und Mitbwerberinnen gekürt. Wir sind sehr stolz und gratulieren Tim herzlich.

Im August 20 startet der nächste Schreibwettbewerb von Exploratio und Kinderthur.

 

Die geheimnisvolle Kiste

Mo und Luisa standen auf dem muffigen Estrich ihres Hauses. „Wo sollen wir nur anfangen?“ fragte Mo seine kleine Schwester. „ Das weiss ich doch nicht, hier oben ist es so dunkel, da sieht man seine Hand vor Augen kaum. Räum du doch schon mal auf, während ich die Fensterläden öffne. Nichts da, es war deine Idee, die Schule zu schwänzen, um an dieses Skateturnier zu gehen!“ Ja, genau so war es gewesen. Mo liebte es zu skaten. Er hatte schon viele Turniere gewonnen. Sein Trophäenschrank quoll nur so über von Pokalen und Medallien wie zum Beispiel, der Pokal für den besten Trick in der Steilwand oder die Medallie für das nur alle 10 Jahre stattfindende Skaterennen. Da war es doch selbstverständlich, dass er an das Turnier gehen wollte das er als einziges noch nicht gewonnen hatte. Seine Schwester, sein grösster Fan, und er hatten sich aus der Schule geschlichen und waren gerade noch rechtzeitig beim Turnier angekommen. Er hatte tatsächlich gewonnen. Seine Mutter war nicht gerade begeistert, dass er die Schule für dieses Turnier sausen gelassen hatte. Die Strafe: Sie mussten den Estrich aufräumen.

Und so standen die zwei nun auf dem Estrich. „Na gut, ich schlage vor, wir beginnen ganz hinten und arbeiten uns nach vorne. Gute Idee, stimmte seine Schwester ihm zu. Und so stiegen sie über kaputte Tische, zersprungene Spiegel und anderem nutzlosem Gerümpel. „ Aua“, rief Luisa auf einmal. Mo drehte sich verwundert um und sah seine Schwester vor ihm auf dem Boden liegen. „Ich bin gestolpert!“ stöhnte sie. „Über was denn?“ fragte Mo. „Über diese blöde Truhe!“ entgegnete Luisa ärgerlich. „ Was wohl darin ist?“ Mo musterte die Kiste misstrauisch. Die Kiste war aus massivem Holz und bestimmt einmal schön gewesen, aber die Jahre hatten ihr zugesetzt. Der Verschluss war verrostet, nur die orientalischen Schnitzereien liessen darauf schliessen, dass sie einmal schön gewesen sein musste.“ Die hatte bestimmt auch schon bessere Zeiten gesehen.“ bemerkte Luisa. „ Komm machen wir sie auf!“ Mo und Luisa packten je eine Seite der Truhe und hoben den Deckel an. Die Truhe öffnete sich mit einem lauten Knarren. „ Was ist das?“ fragte Luisa ihren grossen Bruder. „Keine Ahnung.“ erwiderte Mo. Auf dem Boden der Truhe lag ein grosses Bündel aus rotem und gelbem Stoff. Mo hob das Bündel aus der Truhe und breitete es mit Hilfe seiner Schwester auf dem Boden aus. Es war ein alter verstaubter Teppich. „ Der sieht genau so alt aus wie die Kiste.“ lachte Luisa beinahe etwas enttäuscht. „Ja, genau, bestimmt kann er noch fliegen!“ witzelte Mo mit einem breiten Grinsen. „ Komm fangen wir mit dem Aufräumen an, sonst müssen wir hier noch übernachten.“ Nach Stunden des Aufräumens, holte Mo seinen CD-Player und legte eine CD ein. „ So macht es doch schon viel mehr Spass.“ sagte Luisa erfreut.  „Persinable kuntuno“, erklang der Refrain aus dem CD-Player. „Von wo hast du diese CD, die habe ich noch nie gehört. Ach, die habe ich gerade neben der Kiste gefunden.“ Kaum hatte er dies ausgesprochen, rumpelte es im hinteren Teil des Estrichs. „ Was war das?“ fragte Luisa ängstlich. „ Ich schau mal nach.“  Mo stieg mutig über einen Tisch und verschwand im hinteren Teil des Estrichs. „ Wow, das musst du dir ansehen, das glaubt mir keine Sau!“ Als Luisa über den Tisch zu Mo kletterte, verschlug es ihr die Sprache. Der alte Teppich schwebte einen halben Meter über dem Boden. „ Kneif mich mal!“ flüsterte Luisa Mo zu. „ Aua, nicht so doll! Nein, ihr träumt nicht!“ sagte eine Stimme die von überall her zu kommen schien. Doch Mo war sich sicher, dass sie vom Teppich her kommen musste. „ Wer bist du?“ fragte Luisa mit mehr Neugierde als Furcht. „ Ich bin der Teppich aus der Schatzkammer des Sultans von Konstantinopel! Ich wurde einst von Räubern geraubt und von ihnen verschleppt. Und wie kommst du bitte schön auf unseren Estrich?“ Mo machte ein fragendes Gesicht. „ Das weiss ich leider selbst nicht.“ Beantwortete der Teppich Mo’s Frage. „ Vielleicht haben die Räuber mich einst an eure Familie verkauft. Ich kann nämlich nur reden und fliegen, wenn jemand die magischen zwei Worte spricht. Ansonsten liege ich nur herum und bin ein ganz normaler Teppich. „ Und was machen wir jetzt mit dir?“ Luisa runzelte die Stirn. „ Ich brauche eure Hilfe!“ wimmert der Teppich. „ Als ich gestohlen wurde haben die Räuber auch die Krone des Sultans entwendet und solange die Krone nicht auf ihrem Platz steht, so lange wird es im Land des Sultans keinen Frieden geben. Die Schatzkammer der Räuber kann nur mit einem Spruch geöffnet werden, den nur die Räuber kennen. Können wir dir nicht helfen?“ fragte Luisa die immer hilfsbereit war. „Dann springt auf mich drauf, wir dürfen keine Zeit mehr verlieren!“ Unsicher kletterten Mo und Luisa auf den Teppich. „ Wo ist denn diese Schatzkammer?“ fragte Luisa. „ Die steht in einem geheimen Wald in Konstantinopel. Und wie kommen wir auf die Schnelle nach Konstantinopel? Das ist kein Problem, haltet euch einfach ganz fest an meinen Fransen fest.“ Die Kinder befolgten den Rat des Teppichs, dieser stieg langsam höher bis er schliesslich, durch das kleine Dachfenster nach draussen flog. Mo und Luisa mussten sich an den Fransen richtig fest klammern, ansonsten hätten die Windböen sie hinunter geblasen. Der Teppich flog immer schneller und höher. Irgendwann wagte Mo einen Blick nach unten. Weit, weit unter ihm, schlugen die Wellen an die Felsen einer Küste, die Mo gänzlich unbekannt war. Jetzt schaute auch Luisa nach unten. Beim Anblick der tief unter ihnen liegenden Küste klammerte sie sich noch fester an die Fransen. „ Schaut bloss nicht nach unten!“ warnte sie der Teppich.“ Sonst wird euch noch schwindlig und ihr fällt hinunter.“ Mo und Luisa befolgten den Rat des Teppichs nur zu gerne und schlossen die Augen. Kurze Zeit später wurde der Teppich allmählich langsamer und flog in einer Spirale nach unten. Mo und Luisa öffneten die Augen und sahen sich um. Es duftete nach Harz und feuchtem Moos. Um sie herum standen so grosse Bäume, dass kaum Sonnenlicht durch die Bäume dringen konnte. Auf einer Lichtung etwa hundert Meter vor ihnen stand ein grosser Stein. „ Wow!“  staunte Mo noch ganz durcheinander vom Flug. „ Kommt Kinder .“ sagte der Teppich und flog nur wenige Zentimeter über dem Boden, auf die Lichtung zu. Mo und Luisa folgten ihrem neuen Freund ohne zu zögern. „ Und nun?“ fragte Luisa in die Runde. „ Was ist nun das Zauberwort? Ganz einfach!“ Mo stellte sich ganz selbstbewusst vor den Stein und sprach mehr aus Witz als Ernst,“ Sesam öffne dich!“  Der Stein schob sich mit einem Knirschen zur Seite und gab eine Höhle frei. Mo und Luisa staunten nicht schlecht. Der Teppich flog übermütig einen Salto. „ Juchuuuu wir haben es geschafft!“ rief Mo glücklich. „ Nein nicht ganz,“ holte Luisa ihren Bruder auf den Boden zurück. „ Zuerst müssen wir die Krone finden. Ach was, das ist doch ein Kinderspiel!“ Mo lief mit so einer Überzeugungskraft vorweg, dass Luisa und der Teppich ohne zu zögern folgten. Erst jetzt sahen sie wie gross die Höhle war. Überall zweigten kleine Stollen rechts und links in die Tiefe ab. „ Und wo ist jetzt die Kro…..?“ der Satz blieb Mo im Mund stecken. Gerade hatten sie einen grösseren Raum erreicht, in dem sich haufenweise Goldmünzen und andere wertvolle Dinge türmten. Mo und Luisa konnten sich gar nicht genug satt sehen. In der Mitte des Raumes stand ein besonders grosser Haufen auf dessen Spitze die Krone des Sultans thronte. Sie bestand aus purem Gold und war mit allen erdenklichen Perlen und Edelsteinen besetzt. Plötzlich hörten sie schwere Schritte aus dem Gang, aus dem sie gerade gekommen waren. „ Schnell, hinter die Truhe da drüben“ der Teppich klang sehr besorgt. Mo und Luisa legten sich hinter die Truhe. Die Schritte kamen immer näher. Ein Schatten zeichnete sich an der Höhlenwand ab. Er war gross und Luisa konnte an der Seite des Schattens ein Krummsäbel erkennen. Auch Mo musste den Säbel entdeckt haben, denn Luisa sah die weitaufgerissenen Augen von Mo. Der Schatten betrat nun die Höhle und breitete die Arme aus.“ Alles meins“ rief der Schatten mit einer furchteinflössenden Stimme. Die drei Freunde wagten nicht zu atmen. „Das muss einer der Räuber sein.“ raunte der Teppich.“ Ich dachte die seien alle schon längst gestorben.“ In Luisa machte sich langsam Panik breit. „Anscheinend hat einer überlebt!“ stellte Mo nüchtern fest. „ Wir müssen hier schnellstens raus!“ flüsterte Luisa. „ Nicht ohne die Krone!“ flüsterte der Teppich empört. „ Die gehörte einst dem Sultan von Konstantinopel  und überhaupt……! Psssst,  nicht so laut, der Räuber hört dich sonst noch!“ Doch es war bereits zu spät, das unrasierte Gesicht des Räubers triumphierte bereits über ihnen. „ Ach wen haben wir denn da? Der fliegende Teppich des Kaisers und zwei Kinder die meinen Schatz stehlen wollen? Nein, der Schatz gehört mir allein, los an die Wand mit euch Kinder aber flott!“ rief er gehässig. Doch Mo und Luisa bewegten sich keinen Zentimeter. „ Na wird’s bald?“ Langsam aber sicher wurde der Räuber wütend, zerrte die Geschwister aus ihrem Versteck und schubste sie an die Wand. Dabei beging er jedoch einen grossen Fehler. Er drehte dem Teppich den Rücken zu. Dieser fackelte nicht lange, flog von hinten auf dem Räuber zu und umwickelte ihn wie eine Würgeschlange ein. Der Räuber bekam fast keine Luft mehr und schrie mit letzter Kraft:“ Persinable kuntuno!“ und schlagartig erschlaffte der Teppich. Der Räuber rappelte sich auf und schrie die Kinder wütend an. Luisa sah ihn ängstlich an. Was würde er nun mit ihnen machen? Der Räuber zog seinen Gürtel aus, fesselte die Geschwister, verliess die Höhle und kam kurze Zeit später mit zwei Säcken zurück und begann sie zu füllen. Luisa überlegte fieberhaft, wie sie sich, Mo, den Teppich und die Krone retten konnte. Doch Mo stupste sie an und deutete auf einen goldenen Dolch der in einem der vielen Berge aus Gold steckte. In einem günstigen Moment schlichen sie zum Dolch und schnitten die Fesseln an den Händen durch. Mo griff sich blitzschnell einen der herumliegenden Säcken, stülpte ihn dem Räuber von hinten über den Kopf und versetzte ihm einen Tritt noch bevor er seinen Säbel ziehen konnte, so dass er in einen der vielen Gänge fiel und liegen blieb. Mo rannte zu Luisa und umarmte sie erleichtert. „ Danke, dass du mich gerettet hast!“ Luisa drückte ihren Bruder an sich. „ Gern geschehen, Schwesterchen!“ Luisa liess Mo wieder los und hob den Teppich auf. Leise flüsterte sie:“ Persinable kuntuno!“ Langsam glitt ihr der Teppich aus den Händen und schwebte zwischen ihnen über dem Boden. „ Vielen Dank, Kinder!“ Mo konnte die Dankbarkeit in seiner Stimmer hören. „ Ohne euch würde das Reich des Sultans im ewigen Streit sein. Ihr habt ein grosses Herz und Mut beweisen. Zum Dank dürft ihr euch etwas aus dieser Schatzammer aussuchen.“ Mo und Luisa waren sprachlos. Sie konnten sich kaum entscheiden, bei so viel Schönem. Schliesslich traten Mo und Luisa vor den Teppich, beide hatten sich eine Wunderlampe aus purem Gold ausgesucht. „Wie ich sehe habt ihr entschieden. Eine gute Wahl habt ihr getroffen. Und jetzt springt auf, ich bringe euch nach Hause bevor euch eure Eltern vermissen.“ Mo und Luisa wären gerne noch geblieben, doch sie verstanden, dass der Teppich in sein Reich zurückkehren musste damit Frieden einkehren konnte. Mo schnappte sich die Krone und stieg gemeinsam mit seiner Schwester auf den Teppich. Dieser sauste aus der Höhe heraus und dem Sonnenuntergang entgegen. Mo und Luisa betrachteten während des ganzen Fluges die Welt die unter ihnen vorbei zog. 

Viel zu schnell, landeten sie wieder auf dem Estrich. Sie stiegen ab und legten die Krone in die Mitte des Teppichs. „ Auf Wiedersehen.“ Sagte Luisa traurig. „ Bis bald.“ Auch der Teppich klang einwenig traurig. „ Ich komme euch einmal besuchen.“ Versprach der Teppich, erhob sich in die Luft und flog lautlos durchs Dachfenster davon. Mo und Luisa blieben noch lange am Fenster stehen und schauten dem Teppich hinterher bis schiesslich ihre Eltern sie zum Abendessen riefen. 

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